GEISTERSTUNDE ZU DRITT

GEISTESBLITZE VON HAYDN, BEETHOVEN UND DVOŘÁK

„Geisterhaft schauerlich, gleich der Erscheinung aus der Unterwelt" empfand der Beethovenschüler Carl Czerny den langsamen Satz des sogenannten Geistertrios seines Lehrers. Interessanterweise befinden sich auf einem Skizzenblatt Beethovens Entwürfe zu diesem Largo und zu einer geplanten Oper Macbeth direkt nebeneinander. Beethoven erreicht hier höchste kompositorische Konzentration und Geschlossenheit; es ist sozusagen ein Prototyp der klassischen Komposition in dem Sinn, dass Inhalt und Form eine vollkommene Einheit bilden. Alle Elemente der Komposition scheinen sich voneinander herzuleiten, wodurch ein bedeutungsvoll sprechendes Beziehungsnetzwerk entsteht. In dieser Hinsicht vervollkommnet und entwickelt Beethoven die auf äußerste Ökonomie bedachte Kompositionsweise seines Lehrers Haydn.
Dieser legt mit seinem C-Dur Trio ein glänzendes, fulminant virtuoses Werk vor. Eine für Haydn ungewöhnliche Vielfältigkeit an motivischen Einfällen prägt den ersten Satz. Die kommenden stecken voller Überraschungen, etwa ein slawisch anmutender, wuchtiger Mollteil mitten in dem lichten Dursatz. Der Schlusssatz ist mit seinen vielen unerwarteten Wendungen vielleicht der humorvollste, den Haydn je geschrieben hat.
Ein anderer Geist weht in dem berühmten Dumky-Trio, in dem sich Dvorak um eine Lockerung der Form, ja um eine Befreiung von den tradierten Schemata zu bemühen scheint. Das Trio, das den klassischen Formenkanon kaum noch erkennen lässt, folgt vielmehr dem Prinzip der ukrainischen Dumka, dem Wechsel von langsamen, elegisch beredten, in ihrer Melodik oft rezitativartig sprechenden auf der einen, und schnellen, ausgelassenen, tänzerisch sich gebenden Abschnitten auf der anderen Seite. Im Grunde genommen präsentiert Dvorak in diesem Werk sechs verschiedene, kunstvolle Ausformungen der Dumka-Idee (Dumka leitet sich von dem Verb dumati = denken, nachdenken, sinnen ab). Dvorak wendete sich in den Jahren vor seinem Amerikaaufenthalt bewusst dem, wie er es nannte, musikalischem Poetisieren zu; über seine kurz zuvor entstandenen Poetischen Stimmungsbilder schrieb er: „Jedes Stück (....) soll etwas ausdrücken, also gewissermaßen Programmmusik, aber im Sinne Schumanns..."

// HARIM CHUN Violine // WOONG-WHEE MOON Violoncello // STEFAN MATTHEWES Klavier

Programmablauf

Joseph Haydn               Trio C-Dur Hob.XV:27
Ludwig van Beethoven  Trio D-Dur op.70 Nr.1 Geistertrio
Antonín Dvořák            Trio Nr.4, e-moll, op.90 [B 166] Dumky